Weichais Übernahme von Kion – die chinesische Sichtweise
Von Yuqiong Wang, Berners Consulting Stuttgart
Im ersten Halbjahr 2012 erzielten Übernahmeprojekte im Bereich Maschinenbau 11.8% der gesamten chinesischen Übernahmeprojekte im Ausland. Deutschland als Mutterland des Maschinenbaus ist ohne Frage für die chinesischen Investoren am interessanten. Technologie sowie die viel weiter entwickelte Systematik bei Management der sind genau das, was China angesichts seines wirtschaftlichen Aufschwungs als das Nächste für eine nachhaltige Entwicklung dringend benötigen wird.
Weichai, ein Tochterunternehmen der Shandong Heavy Industry Group, ist der größte chinesische Hersteller von Groß- und Hochgeschwindigkeitsmotoren im Dieselbereich und einer der wichtigsten Komponentenhersteller. Die mehrheitliche Übernahme (70%) der Linde Material Handling und die Übernahme von 25% der Kion Group sorgen nach der Putzmeister-Übernahme wieder für Furore in Deutschland.
Der Geschäftsführer Herr Tan, der für seine Gewagtheit bekannt ist, erntet auch diesmal für diese Übernahmen in der Branche große Aufmerksamkeit. Für ihn ist das Wort „Übernahme“ fehl am Platz. Er bezeichnet das lieber als eine strategische Partnerschaft. Die Übernahme von Linde bringt seine Vision ans Licht: ein „Weichai der Pumpenbranche“ aufzubauen.
Durch ein JV mit dem Motorenhersteller Deutz im Jahr 1998 hat Herr Tan den damaligen CEO Gordon Riske (jetziger CEO von Kion) kennengelernt. Die Freundschaft ist bis jetzt geblieben, was auch eine gute Basis für den Erfolg dieser Übernahme geschaffen hat. Seit Jahren schrieb Kion rote Zahlen. Aber in der ersten Hälfte dieses Jahres konnte der Konzern wieder 20 Mio. Euro Gewinn erzielen – ein Wendepunkt, dem die Investition von Weichai mehr oder minder zu verdanken ist. Pumpentechnologie ist seit jeher eine Schwäche der chinesischen Bauindustrie. Herr Tan hat das schon seit langem erkannt und seinen Plan geschmiedet. Bis Ende 2011 betrug das gesamte Kapital von Linde noch 1,29 Mrd.. Dennoch zahlt Weichai 2,71 Mrd. für dessen 70% Anteil. Auch wenn man schwer ahnen kann, was Herr Tan mit Linde vorhat. Aber wenn seine Rechnung aufgeht, wird es mit Sicherheit etwas Spektakuläres.
Darüber hinaus bezeichnet Herr Tan Übernahmen als Lösung für das Problem des schlechten Images „Made in China“. Interessanterweise macht er ein Beispiel mit Louis Vuitton Taschen. „Wenn auf einer Louis Vuitton Tasche ‚Made in China‘ stünde, würden Sie die kaufen? Sicher nicht.“ So möchte er auch durch Übernahme der Unternehmen mit hochwertiger Marke die eigene Unternehmensmarke aufwerten.
Das Risiko bei den Übernahmen ist Herrn Tan durchaus bewusst. Dabei ist das Risikomanagement das A und O beim Geschäft. Nach seiner Beobachtung zu den 500 Top internationalen Konzernen in letzten 100 Jahren expandieren die Konzerne mit Kapital, immer wenn eine Finanzkrise oder wirtschaftliche Flaute vorkommt. Für chinesische Unternehmen, bei denen die staatlichen Unternehmen noch vorherrschen, war Kapital, was mit Kapitalismus unmittelbar im Zusammenhang steht, noch in den neunziger Jahren ein sensibles Thema. Das aktuell vorherrschende Verständnis von Kapital als wichtiger Wirtschaftsfaktor begann erst im 21. Jahrhundert. „Bei der Frage, wie man aus Kapital das Beste machen kann, sind die internationalen großen Konzerne uns weit voraus.“ Trotz seines Ehrgeizes ist Herrn Tan klar, dass der Weg zu seinem Ziel noch lang ist.
Quelle: invest.China.com.cn
