Luxusgüter im Visier der Chinesen
Von Yuqiong Wang, Berners Consulting Stuttgart
2010 spielten in China verkaufte Luxusgüter 160 Milliarden EUR Steuereinnahmen in die chinesischen Staatskassen – 78 Prozent der direkten Ausgaben der Zentralregierung. Gleichzeitig stellen diese gigantischen Zahlen nur einen Bruchteil des chinesischen Luxuskonsums dar, denn ca. 80 Prozent der Luxuskäufe durch Chinesen fanden außerhalb Chinas statt.
Mit der Steigerung des materiellen Wohlstands in China ist die Kaufkraft der Chinesen auf dem Luxusmarkt längst eine treibende Kraft der Branche geworden. Das lässt sich in allen Luxusgeschäften in Ausland am besten beobachten. Dort sind die Touristen aus China für ihre Großzügigkeit bekannt. Manchmal werden Sie bei großem Andrang sogar einfach ausgesperrt – zu viel Publikum ist dem exklusiven Image der Luxusmarken abträglich.
Innerhalb Chinas hält sich die Kauflust auf die Luxusgüter vergleichsweise noch in Grenzen. Nicht, dass das Streben nach Luxusartikeln nicht vorhanden ist. Es liegt vor allem daran, dass mit dem preislichen Vorteil im Ausland es vielen Chinesen lieber ist, den Kaufakt bei Luxusgütern mit einem Aufenthalt im Ausland zu kombinieren oder in sonstiger Weise die Waren vom Ausland zu erwerben (zum Beispiel über im Ausland studierende Chinesen, die beim Heimaturlaub ein oder zwei Handtaschen als „Geschenk“ mitbringen). Außerdem sind die meisten Luxusgeschäfte in nur einigen wenigen chinesischen Metropolen vorzufinden. Die geographische Lage der Geschäfte kann die Kaufkraft in anderen Städten noch nicht ausschöpfen.
In einem Riesenmarkt wie China geht es den Luxusmarken momentan weniger um Kundenbindung. Vielmehr geht es darum, weitere neue Kunden zu gewinnen. Deswegen ist eine Expansion in andere Städte in China langfristig gesehen für die Luxusmarken ein unvermeidlicher Schritt. Auch die Preisdifferenz zwischen Inland und Ausland soll reduziert werden. Hierbei spielt insbesondere die hohe Luxussteuer von meist über 30 Prozent eine große Rolle.
Materielle Güter als Statussymbol gelten zwar weltweit überall gleich. Dennoch ist der Kaufwille bei der „hungrigen“ chinesischen Mittel- und Obersicht besonders ausgeprägt. Denn materielle Güter sind für viele der denkbar einfachste und schnellste Weg, den eigenen Erfolg unter Beweis zu stellen. Da es noch zig Millionen in China gibt, die diesen wirtschaftlichen Aufstieg miterleben wollen, ist das Potential des China-Markts für die Luxusmarken bei weitem noch nicht ausgeschöpft.
Quelle: Fashionunited.de
