Eine Analyse aus China-Perspektive über den heimischen Ersatzteilmarkt
Auf dem chinesischen Ersatzteilmarkt gibt es nach wie vor ein Heer von nachgemachten Ersatzteilen. Die Qualität der neuen Waren lässt sich auf den ersten Blick schlecht nachprüfen. Wenn man jedoch einen Blick in die Arbeitsberichte von Wartung und Reparatur oder das Beschwerdebuch der zuständigen Werkstatt wirft, bestätigt oft der Verdacht, dass viele Ersatzteile nachgemacht sind und demensprechend ihre Qualitätsprobleme haben.
Zurzeit auf dem chinesischen Ersatzteilmarkt vorherrschende Probleme:
1. Unzureichende Reglementierung auf dem Ersatzteilmarkt
1.1. Obwohl bereits im Jahr 2005 ein neues Gesetz („Handel in Automobilmarkt “) verabschiedet wurde, bleibt die Wirkung der gesetzlichen Regulierung bei der Wertschöpfungskette in Bereichen der Produktion und Vertrieb von Ersatzteilen noch aus.
1.2. Um mehr Marktanteil zu gewinnen, greifen viele Verkaufsagenturen zu einigen illegalen Maßnahmen, wie z.B. ungesunden Preiswettbewerb oder Verkauf qualitativ minderwertiger Waren.
2. Große Qualitätsunterschiede
Beispiel: Bremsbelag
Der Bremsbelag ist eines der am häufigsten auszutauschenden Ersatzteile. Daher achtet der Verbraucher oft in erster Linie eher auf den Preis als die Qualität, was direkt dazu führt, dass Niedrigpreis-Produkte (auf Kosten der Qualität) auf den Markt drängen. Mittlerweile bieten sogar Zulieferer einiger namhaften Fahrzeughersteller offiziell das „selbe“ Produkt zu zwei verschiedenen Preisen (unter der Bezeichnung „Hauptprodukt“ und „Nebenprodukt“) an – mit unterschiedlichen Qualitätsansprüchen, versteht sich.
3. Große Preisunterschiede
Je nach Verkaufsstelle variiert sich der Preis sehr stark. Woher kommt aber dieser große Preisunterschied?
Das Hauptprodukt von den Zuliefern, die von Fahrzeugherstellern freigegebenen sind, unterliegt der Mehrwertsteuer (17%), während das Nebenprodukt von anderen Herstellern vergleichsweise von viel weniger Steuer belastet ist. Ganz zu schweigen von Produkten aus Hinterhöfen, bei deren Preis gar keine Steuer mit eingeflossen ist. Selbst bei den Hauptprodukten unterscheiden sich auch diejenigen von Originalherstellen und von autorisierten (Franchise) Herstellern.
4. Viele Zwischenhändler
Es trifft insbesondere importierte Ersatzteile.
Umweg: ausländische Zuliefererà 4S Shops in Auslandàdortige Vertriebsbürosà Vertriebsbüros in China. Der Umweg macht sich am Preis bemerkbar.
5. Großes Verbesserungspotential beim After Sale Service
Viele Verkaufsstellen sind nur auf die Verkaufszahl fixiert und machen sich wenig Gedanken über eine langfristige Bindung der Kunden.
6. Mangel an qualifizierten Arbeitskräften
Hintergrund: Immer mehr Produkte mit viel weit fortgeschritten Technologie von Westen werden eingeführt.
Eine fachgerechte Aus- und Weiterbildung bei Beschäftigten in Verkaufsstellen von Ersatzteilen hinkt aber hinterher.
Was bedeutet dies nun für deutsche Unternehmen, die im chinesischen Ersatzteilmarkt eine Rolle spielen möchten? Eine wichtige Erkenntnis ist, dass der Markt stark fragmentiert ist und es keine dominanten Akteure gibt, auf die man sich konzentrieren kann. Es gibt jedoch sehr wohl regional dominante Akteure sowie Anbieter mit verschiedensten Spezialisierungen; wenn also ein deutscher Hersteller sein Zielsegment gut genug versteht, kann er durchaus größere Volumina zu guten Preisen bei einer überschaubaren Anzahl von Distributoren absetzen. Hierbei ist insbesondere wichtig, dem Distributor den Nutzen der Produkte klar zu machen. Ein erfolgreiches Beispiel aus unserer Praxis ist ein Hersteller von Bus-Ersatzteilen, der in einer chinesischen Großstadt eine erfolgreiche Beziehung zum lokalen Ersatzteilversorger für die öffentlichen Busse aufbaute. Der deutsche Hersteller erkannte die absolute Wichtigkeit von zuverlässigen Ersatzteilen für den Distributor – und rannte offene Türen ein, selbst mit seinen relativ hohen Preisen. Es kommt also ganz darauf an.
Quelle: Zhejiang Water Conservancy And Hydropower College
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