Rekordjahr für chinesische Übernahmen in Deutschland
von Miriam Fritz, Consultant, Berners Consulting Stuttgart
Gemessen am Transaktionsvolumen war 2012 mit Abstand das Rekordjahr für chinesische Übernahmen in Deutschland. Mit den großen Übernahmen von Putzmeister (ca. 360 Millionen EUR) und Kion (ca. 750 Millionen EUR) haben sich die chinesischen Großkonzerne einen prominenten Platz in der deutschen Berichtserstattung gesichert. Aber auch bei kleinen und mittelgroßen Transaktionen sehen wir eine signifkante Zunahme der Aktivitäten, sowohl von chinesischen Käufern als auch von deutschen Verkäufern.
Chinesische Käufer werden in ihren Übernahmeaktivitäten zunehmend professionell. Während die Mehrzahl der chinesischen Kaufinteressenten weiterhin nach dem Prinzip "Einkaufsbummel" vorgeht und nach "Gelegenheiten" sucht, wächst die Anzahl der systematisch vorgehenden Unternehmen. Insbesondere in den Bereichen Automobilzulieferindustrie und Maschinenbau, in denen chinesische Unternehmen weit entwickelt sind und bei der Erweiterung ihres Portfolios gewisse Lücken schließen wollen, ist den chinesischen Unternehmen bewusst, dass opportunistisches Vorgehen nicht zielführend ist. Zwei Beispiele: Ein Automobilzulieferer hat uns mit der Suche nach Übernahmeobjekten in Deutschland beauftragt; die detailierte Liste der Kriterien für die Auswahl der Zielunternehmen umfasst drei Seiten. Ein Maschinenbauunternehmen, dass wir bei der Suche nach Technologiepartnern unterstützen, lehnte wiederum die sich im Laufe des Projektes ergebende Verkaufsanfrage eines deutschen Unternehmens ab, da es nicht zur Strategie des Chinesen passte. Wir haben es hier also mit strategisch vorgehenden Unternehmen zu tun, die genau wissen, was sie wollen.
Deutsche Verkäufer richten den Blick auf China, wenn es um Branchen geht, in denen chinesische Unternehmen eine zunehmende Rolle spielen. Wenig überraschend sind dies auch wieder die Automobilzuliefer- und Maschinenbaubranchen. Getrieben von der überwiegend positiven Berichterstattung der deutschen Medien zu den chinesischen Übernahmen der letzten Jahre sowie durch die starke Liquiditätssituation vieler chinesischer Unternehmen, kommen mehr und mehr deutsche Unternehmen mit Verkaufsgesuchen auf uns zu. Auch hierbei lässt sich unterscheiden zwischen "Streu-Angeboten" und zielgerichteten Verkäufersuchen. In unserer Erfahrung ist die Suche nach Käufern mit "Streu-Angeboten" wenig erfolgversprechend, insbesondere wenn dem Verkäufer an der Fortführung des Unternehmens gelegen ist. Bei zielgerichteten Verkäufersuchen, bei denen ein einzelnes Beratungsunternehmen mit der Suche beauftragt wird, sind die Erfolgsaussichten weit besser.
Basierend auf den Daten der letzten Monate gehen wir davon aus, dass sich der Trend in 2013 weiter fortsetzen wird und die Zahl der chinesischen Übernahmen in Deutschland weiter steigen wird. Egal ob Käufer oder Verkäufer - unsere klare Empfehlung ist: Man sollte sich frühzeitig mit den Zielen und Anforderungen der geplanten Transaktion auseinandersetzen und zum geeigneten Zeitpunkt dezidiert und konsequent vorgehen.
Bei Fragen zu deutsch-chinesischen Fusionen und Übernahmen wenden Sie sich bitte an Frau Miriam Fritz, mfritz@berners-consulting.net.
