Konsum: Das Landesinnere überflügelt die Ballungsräume
Mit Inflation über Erwartungen und Wachstum unter Erwartungen blieb die brasilianische Wirtschaft in 2012 hinter den Erwartungen zurück. Ausländische Investoren werden von den schwachen Indikatoren abgeschreckt und könnten sich damit Chancen entgehen lassen, die im Landesinneren verborgen sind.
Firmen, die einen Markteintritt in Brasilien erwägen, konzentrieren sich oft auf die entwickelten Märkten in den großen Städten wie São Paulo, Rio de Janeiro und Brasilia. Während viele Firmen gute Renditen in diesen Märkten erzielen, gehen sie das Risiko ein, dass ihnen Gelegenheiten im Landesinneren entgehen, wo Wachstumsraten signifikant sind.
Außerhalb der großen Ballungszentren wächst das Land stark, getrieben vom langfristigen Prozess der Urbanisierung. In 2012, zum Beispiel, überflügelten die Konsumausgaben des Bundesstaats São Paulo zum ersten Mal die der Stadt São Paulo. Verbraucher im Landesinneren konsumierten insgesamt ca. 187 Milliarden USD, entsprechend 50,2% des Gesamtkonsum in Bundesstaat und Stadt.
Diese Verschiebung ist auch in anderen Regionen des Landes zu beobachten. Während noch vor zehn Jahren der Privatverbrauch in den 27 Hauptstädten fast 37% des Binnenverbrauchs ausmachten, ist dieser Wert nun unter 33% gefallen. Zwischen 1999 und 2010 fiel auch der Anteil des Einkommens der Hauptstädte von fast 40% auf unter 34%.
Laut dem Marktforschungsspezialisten Nielson wuchsen Supermarktumsätze im Landesinneren in 2011 um 13,3%, verglichen mit 7,8% in den Hauptstädten. In der Stadt São Paulo wuchs die Anzahl der Geschäfte um 8%, während kleine und mittelgroße Städte durchschnittlich 13% mehr Einzelhändler hatten als im Vorjahr. Auch außerhalb des Einzelhandels gibt es vergleichbare Entwicklungen. So wuchs der Fahrzeugabsatz außerhalb der Stadtgrenzen von São Paulo um 7,5%, mehr als das Doppelte des Zuwachses innerhalb der Stadt.
Diese Evolution der Binnenwirtschaft ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Zunächst erfährt die Agroindustrie, eine traditionelle Stärke des Hinterlands, einen globalen Boom; insbesondere die Nachfrage aus China lässt Volumen und Preise steigen. Ein noch größerer Faktor sind die steigenden Einkommen, die aus dem Wachstum der letzten 15 bis 20 Jahre resultierten. Hierdurch haben viele Unternehmen ihre Investitionen aus den Ballungszentren heraus in kostengünstigere Orte verlegt.
Diese wirtschaftlichen Veränderungen beeinflussen auch ausländische Investoren. Städte wie São Paulo und Rio sind großartig, um Geschäftschancen zu finden, aber das Hinterland ist vielleicht ein besserer, nachhaltigerer Ausgangspunkt.
Quellen: Estadão, Folha de São Paulo, Folha do Interior, O Caxiense
